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Sound Masking – Super Idee oder Wagnis?

Sound Masking – Super Idee oder Wagnis?

Wissen Sie was Sound Masking ist und wie es funktioniert? Im Internet finden sich einige Erklärungen, die mitunter etwas verwirrend sind. Wir beleuchten das Thema in Bezug auf die Arbeitsstättenrichtlinien und etwaige Gesundheitsrisiken etwas.
Was stört denn Sie im großen Mehrpersonenbüro am meisten? Wenn es Lärm in Ihrer Arbeitsumgebung ist, dann sollten Sie diesen so schnell wie möglich abstellen. Lärm ist eine persönliche psychoakustische Geräuschbewertung und damit ein starker Stressor, schädlich für das psychische und physische Wohlbefinden. Sehr störend ist die Verständlichkeit von Sprachinformationen, weil sie uns aufgrund einer urzeitlichen Programmierung unseres Gehirns dazu zwingt, anderen zuhören zu müssen.
Das Ziel der Sound Maskierung im Büro ist es, verwertbare Sprachinformationen auf möglichst kurze Distanz zwischen den Menschen so zu reduzieren, dass deren Gehirn unerwünschte Informationen als uninteressantes Hintergrundgeräusch kategorisiert. Dieses Ausblenden führt zu mehr Arbeitseffizienz und einer deutlichen Stressminderung = Gesunderhaltung.
Beim Sound Masking wird ein elektronisch generiertes Rauschen möglichst gleichmäßig im Raum verteilt – für das menschliche Gehör nicht ortbar. Über Deckenlautsprecher, teilwiese auch über Schallquellen in Stellwänden, wird dieses Rauschen eingespielt und legt sich im Idealfall leise über Hintergrundgeräusche und Teile von Sprachinformationen, z. B. Konsonanten. Als Dauergeräusch muss es leise sein, da nur Dauerschalldruckpegel bis maximal 40 dB als medizinisch unbedenklich einzustufen sind! Und 40 dB ist schon recht leise und liegt zwischen Flüstern und halblauter Unterhaltung.
Wird ein solches Projekt von erfahrenen Profis umgesetzt, kann es einen guten Erfolg bringen. Zum Gelingen tragen die detaillierte Planung des Systems, die perfekte Kalibrierung und die Einhaltung gängiger Richtlinien, bei. Aber auch in diesem positiven Fall ergibt sich schon im Vorfeld ein anderer Konflikt. Und der beginnt mit der Frage: „Darf ich das überhaupt?“
Die Technische Regel für Arbeitsstätten Lärm kurz ASR A3.7 (Stand 2018) sagt: „Das Einspielen von Hintergrundrauschen als Maskierer für die Hintergrundsprache soll vermieden werden“ (5.1 Maximal zulässige Beurteilungspegel (4))
Die VDI Richtlinie 2569:2019 hingegen schildert ein „gleichmäßiges, informationsloses Hintergrundgeräusch mit A-bewerteten Schallpegeln zwischen 40 und 45 dB ……“ als probates Mittel Sprachgeräusche zu verdecken (Anhang D zur VDI 2569:2019: Maskierungshinweise)
So und was machen wir jetzt? Hier einige Tipps zur Vorgehensweise:
– Bevor Sie in die konkrete Projektierung eines Maskierungssystems einsteigen, besprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern und ggf. mit dem Betriebsrat, ob ein solches System im Unternehmen akzeptiert wird (Diskrepanz zwischen ASR A3.7 und VDI 2569:2019 offen ansprechen).
– Besuchen Sie zusammen mit dem Systemgeber oder dem Installateur Referenzobjekte. Wenn Sie beim Betreten des Raumes schon brüllend lautes Rauschen hören – Finger weg. Denn wenn alles passt, dann nimmt man das Rauschen gar nicht wahr.
– Lassen Sie sich vom Installateur garantieren, dass er das System so lange kalibriert, bis sie zufrieden sind und sich die versprochene Wirkung einstellt (Erfahrungsgemäß sind dazu mehrere Anläufe nötig).
– Bedenken Sie auch den Aspekte Hörgesundheit. Das Gehör ist ein empfindliches Organ, dass lebenslang Hochleistung erbringt und jedes Schallereignis trägt unvermeidlich zur Abnutzung bei – auch Dauerschalldruckpegel. Für die Hörschnecke gilt: Je mehr Arbeit (Schallereignisse) desto mehr Abnutzung, bis hin zur Schwerhörigkeit. Wenn Schallpegel dauerhaft über 40 dB liegen, dann sind bereits negative psychische und vegetative Reaktionen zu erwarten.

Falls Sie noch Fragen zu diesem doch sehr komplexen Thema haben, rufen Sie uns gerne an oder mailen uns. Wir würden uns freuen.

Autor: Dipl.-Ing. Jürgen Mendel